Presse
07.06.2021, 13:17 Uhr
Was die Sprache des Koalitionsvertrages unter dem Diktat der Grünen verrät

Johann Wolfgang Goethe kann froh sein, im beschaulichen Weimar seine Ruhestätte gefunden zu haben. Läge er in einem Ehrengrab seiner Geburtsstadt Frankfurt am Main, würde er wohl gegen seine Natur auffahren und schärfsten Protest erheben gegen die Verhunzung der deutschen Sprache durch die neue Koalition im Römer.



 

 Ein Koalitionsvertrag muss gewiss keinen Buchpreis anstreben, aber die Lektüre des 223 Seiten umfassenden Vertrages der vier Koalitionsparteien ist eine Qual. Dieser Qual haben sich die Damen und Herren der Koalition selbst nicht unterzogen.  Es ist kaum zu glauben, dass sie selbst gelesen haben, was in ihrem bunt verpackten Papier zu finden ist. Der Koalitionsvertrag ist ein Ausbund grammatikalischer Fehler, von unnötigen Anglizismen, von inkonsequenter und verwirrender Gendersprache und von Moralin durch und durch. Wählerinnen und Wähler der Grünen sollten sich einmal die Tortur antun und den Koalitionsvertrag versuchen zu lesen, möglichst laut. Das dürfte ihnen die Augen und Ohren öffnen über den Geist der Partei, die nun die Politik in Frankfurt bestimmen will.

„Wir wollen hin zu einer Sprache, die alle Geschlechter gleichberechtigt anspricht und die sexuelle und geschlechtliche Vielfalt abbildet. Dafür werden wir eine Richtlinie für die Verwaltung und städtische Veröffentlichungen erarbeiten.“ Was dabei nicht nur der Verwaltung blüht, dafür ist der Text des Koalitionsvertrages ein abschreckendes Beispiel.

Das Bemühen um eine Sprache, die „die sexuelle und geschlechtliche Vielfalt abbildet“, erweist sich auf der ganzen Linie als misslungen und musste auch misslingen, wenn Sprache noch gesprochen, verstanden und geschrieben werden soll. Es genügt dann nicht, mit dem sogenannten Genderstern („Ärzt*innen“) oder mit Doppelpunkt („Migrant:innenkulturverein“) Menschen als männlich und weiblich auszuweisen und gelegentlich auf die „sexuelle und geschlechtliche Vielfalt“ durch „LSBTIQA*s“ oder in der Formulierung „LSBTIQA*-Menschen“ bzw. „LGBTI*QA-Menschen“ aufmerksam zu machen. Auch die Schreibung mit Genderstern oder mit Doppelpunkt und angehängtem „innen“ wird der geschlechtlichen Vielfalt nicht gerecht.

Manchmal findet sich im Vertragstext auch eine Mixtur von Gendersprache und angeblich moralisch unkorrekter maskuliner Sprache: „… mit einem Gewerbemanagement werden wir gemeinsam mit dem Eigentümer Kümmerinnen und Kümmerer als Koordinatorinnen und Koordinatoren vor Ort etablieren.“ Und hat man es genau zu nehmen oder als Missachtung der Geschlechtergerechtigkeit, wenn nur die männliche oder nur die weibliche Vokabel steht? Zum Beispiel: „Gründer“, „Polizeibeamte“, „Amtsträger“ „Risikokapitalgeber“, „Konsument“, „Freizeitsportler“, „Betäubungsmittelhändler“, „Stadtteilmütter“, „Gemüseheldinnen“, „Praxisanleiterin“. Wenn eine „Seniorensportanlage“ eingerichtet werden soll, haben dann auf diesem Gelände Seniorinnen nichts zu suchen? Was drückt der Genderstern aus, wenn gefordert wird, dass in der städtischen Vorschlagsliste für die Benennung von Straßen und Plätzen 50% „Frauen*namen“ umfassen soll? Und was sind das für „Frauen*, die stillen wollen“? Die Deklination, die die deutsche Sprache durchaus kennt, unterbleibt in der Gendersternschreibweise grundsätzlich. Zu fragen ist auch, warum die Koalition, was sie als weiblich zur Geltung bringen will, stets im Plural mit „*innen“ andeutet, während die männliche Form in aller Regel in der Einzahl („Landwirt*innen“) formuliert oder bis zur Unkenntlichkeit entstellt ist: „Köch“, „Pat“, „Kund“, „Lots“, „Zeitzeug“?

Die Geschlechtsbestimmung ist im Koalitionsvertrag nicht immer klar, wo sie klar sein könnte: „Die chemische und verarbeitende Industrie ist ein*e wichtige*r Arbeitgeber*in und Gewerbesteuerzahler*in in Frankfurt“. Oder: „… für den Fall, dass die*der Mieter*in nachweist, dass sein Einkommen sich unter dem Förderweg 2 subsumieren lässt“. Aber auch das, wie noch manch anderes, unterläuft in der Nachlässigkeit der Koalitionsparteien: „Wir stellen sicher, dass die Bürger*innen und Bürger …  informiert werden“. Es ist geradezu eine Wohltat, wenn man dann doch einmal lesen darf: „Bürgerinnen und Bürger“ oder „Jüdinnen und Juden“, „Kümmerinnen und Kümmerer“, „Expertinnen und Experten“. Geht doch! Aber die Freude darüber wird schnell getrübt durch unvollständige oder grammatikalisch falsche Sätze: „Das Mainufer am Eisernen Steg und in Griesheim.“ „Allerdings sollen zinsfreien Darlehen bzw. der Erhalt andere Förderleistungen der Stadt Frankfurt am Main an Bedingungen gekoppelt werden“. „Wir setzen uns für ein Schul- und Kinderbetreuungsangebot ein, dass einer europäischen Metropole gerecht wird…“ „Wir stellen sicher, dass möglichen Versagung von Versammlungsgenehmigungen eine genaue rechtliche Abwägung vorangeht …“ „Dies Möglichkeiten zur werden wir in der Stadtverordnetenversammlung überprüfen.“ „Frankfurt*innnen“, so etwas soll in „Sprachbildungsangebote(n) für Kinder und Familien“ und in „Leitlinien Sprachbildung“ „userfreundlich“ eingehen und „verständliche und einfache Verwaltungssprache“ sein!

Sprache ist verräterisch. Was verrät die Sprache der von den Grünen dominierten neuen Koalition in Frankfurt? Auf den ersten Blick und nach genauerem Hinsehen: schlampige Arbeit. Schlampige Arbeit schon hier, lässt wenig Sorgfalt auch für das, was kommt, erwarten. Hinzu kommen Anmaßung und Überheblichkeit – die Anmaßung und Überheblichkeit, aus parteipolitischem Interesse parlamentarisch selbst mit dünnster Mehrheit verordnen zu wollen, was als korrekte Sprache zu gelten hat. Für die deutsche Schriftsprache, man mag in Frankfurt babbeln, wie man will, ist maßgeblich immer noch, was der „Rat der deutschen Rechtschreibung“ für korrekt erklärt. Diesem Rat gehören sprachkundige Persönlichkeiten aus dem gesamten deutschen Sprachgebiet an, das weit über Frankfurt am Main und Deutschland hinausgeht. Die Reglementierung von Sprache hat auf kommunaler Ebene nichts zu suchen. Der Koalitionsvertrag beweist, dass das Wunder Sprache diese Koalition überfordert. Das Sprachchaos, das mit dem Diktat der Grünen angerichtet wird, führt dazu, dass in Frankfurt am Main ein anderes Deutsch geschrieben wird als sonst in der Welt.

 Anmaßung und Überheblichkeit findet sich bereits in der Präambel des Koalitionsvertrags. Dort wird wörtlich erklärt: „Die Politik in Frankfurt hat die Aufgabe, gesellschaftliche Diskussionen zu moderieren und zu Ergebnissen zu führen, welche die Menschen in unserer Stadt mitnehmen und den sozialen Zusammenhalt stärken.“ Dieser Satz verrät die bedenkenlose Machtgier einer Partei, Die Grünen, der mehr als 75% der Wählerinnen und Wähler ihre Stimme nicht gegeben haben. Die Politik hat viele Aufgaben, aber die der Moderierung gesellschaftlicher Diskussionen gewiss nicht. Sie ist den gesellschaftlichen Diskussionen Respekt schuldig und hat die Aufgabe, die grundgesetzlich garantierte Meinungsfreiheit zu gewährleisten. Gesellschaftliche Diskussionen moderieren die daran Teilnehmenden selbst. Das ist ihre Freiheit – auch ihre Freiheit von Politik. Politik tut gewiss gut, sich für gesellschaftliche Diskussionen zu interessieren, sich an ihnen zu beteiligen und Konsequenzen aus ihnen zu ziehen und zur Debatte zu bringen. Aber gesellschaftliche Diskussionen zu moderieren, steht der Politik auch in Frankfurt nicht zu. Und eine Gesellschaft, die die Moderierung ihrer Diskussionen durch eine Partei oder Parteienkoalition zulässt, vergibt damit die ihr zustehende Freiheit. Wehret den Anfängen!

Christof Warnke

 

 

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